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Hohe Standards halten, soziales Engagement leben

Im Berichtsjahr gab es bei SFS keine Compliance-Vorfälle, die zu Bussgeldstrafen oder Gerichtsverfahren geführt haben. Auch über den anonymen Beschwerdekanal sind keine Meldungen eingegangen, die 2022 Korrekturmassnahmen erfordert hätten. Die Ergebnisse der bei vier Gesellschaften durchgeführten Compliance-Audits fielen grundsätzlich positiv aus. Schwachstellen bei Kenntnissen über den Verhaltenskodex oder die internen Meldewege konnten identifiziert und Gegenmassnahmen eingeleitet werden. Durch den Zusammenschluss mit Hoffmann war es SFS ausserdem möglich, ihr soziales Engagement auszubauen.

SFS handelt heute vorausschauend für morgen und nimmt ihre wirtschaftliche, ökologische und soziale Verantwortung wahr. Damit steigert sie nicht nur langfristig den Wert des Unternehmens, sondern trägt mit ihren zukunftsweisenden Lösungen auch zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

Das Vorsorgeprinzip spielt für SFS eine zentrale Rolle und ist deshalb auch im Leitbild und im Verhaltenskodex verankert. Unter Nachhaltigkeit versteht SFS eine angemessene Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg, ökologischem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung unter Einhaltung der Menschenrechte und Berücksichtigung der Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Generationen. Diese Haltung ist die Grundlage der gelebten Partnerschaft mit den verschiedenen Anspruchsgruppen. Die Anwendung des Vorsorgeansatzes dient aber auch der Reduktion oder Vermeidung negativer Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt, die durch das Unternehmen entstanden sind oder entstehen könnten.

Verantwortung wahrnehmen, Werte vorleben, Pflichten erfüllen
Dadurch, dass SFS ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommt, schützt sie ihre Mitarbeitenden, schafft attraktive Arbeitsplätze, erfüllt ihre gesellschaftliche Verantwortung und bleibt langfristig und nachhaltig wettbewerbsfähig. Als Unterzeichnerin des «UN Global Compact» bekennt sich SFS zur Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Im Einklang mit diesem Bekenntnis füllt SFS den neuen vorgegebenen Fragebogen aus, der gleichzeitig den bisherigen Fortschrittsbericht ablöst. Die Grundsätze des «UN Global Compact» betreffen unter anderem den Schutz der internationalen Menschenrechte und die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit. Das Risiko von Menschenrechtsverletzungen will SFS sowohl an den eigenen Standorten als auch innerhalb der gesamten Lieferkette verhindern respektive weitestgehend reduzieren. Deshalb binden wir menschenrechtliche Sorgfalt immer stärker in die Geschäftsprozesse mit ein und führen seit 2023 regelmässige Assessments mit unseren Lieferanten durch, die sowohl soziale als auch ökologische Kriterien beinhalten ( siehe auch Environment: Erstes Assessment mit Pilotgruppe erfolgreich durchgeführt).

Der Verhaltenskodex der SFS Group gibt die Richtlinie für alle Führungsorgane und Mitarbeitenden von SFS im beruflichen Umfeld vor. Er basiert auf Integrität sowie fairem und ethischem Verhalten. Er ist ein zentrales Element für die nachhaltige, positive Entwicklung von SFS in einem sich stetig verändernden internationalen Umfeld. In unserem Leitbild, einem weiteren zentralen Compliance-Element, sind die Eckpfeiler der Unternehmenskultur beschrieben: Partnerschaft, Engagement, Gemeinschaft, Erfolg und Veränderung. Beide Dokumente wurden in über zehn Sprachen übersetzt und ihre Inhalte allen Mitarbeitenden vermittelt und zugänglich gemacht. Sie bilden die Basis der Werte von SFS.

Um sicherzustellen, dass die Vorgaben des Verhaltenskodex eingehalten werden, hat SFS ein effektives Compliance-System aufgebaut, das sich auf die folgenden sieben Themenfelder fokussiert:

  • Antikorruption
  • Kartellrecht
  • Insider-Handel
  • Datenschutz
  • Aussenhandel-Compliance
  • Informationssicherheit
  • Verletzungen der persönlichen Integrität

Das System umfasst in der Umsetzung verschiedene Elemente wie Richtlinien, regelmässige Schulungen, Einführung neuer Mitarbeitenden, eLearning-Kampagnen, periodische Newsletter, die Integration von Compliance-Themen in interne Audits, die jährliche Berichterstattung zum Verhaltenskodex und eine zentrale Meldestelle für Mitarbeitende und für externe Partner.

Durch die Aufnahme von Compliance-Pflichten bzw. der Anforderungen des «UN Global Compact» in die allgemeinen Einkaufsbedingungen werden die SFS Standards auch auf Lieferanten angewandt; ebenso werden entsprechende Bestimmungen in die Verträge mit Vertriebspartnern integriert.

Für die Umsetzung der Compliance-Themen ist der Bereich Tax, Legal & Compliance zuständig.

Im Rahmen der jährlichen Berichterstattung zum Verhaltenskodex für Mitarbeitende wird die Einhaltung der darin gemachten Vorgaben kontrolliert. Alle Gesellschaften melden entsprechende Vorkommnisse dem Group Compliance Officer. Im Berichtsjahr sind beim Group Compliance Officer sowie bei den lokalen Compliance-Verantwortlichen insgesamt 25 Meldungen betreffend Compliance-Verstösse eingegangen und geprüft worden. Ausserdem werden in internen Audits punktuell Compliance-relevante Themen geprüft. Die Ergebnisse aus Meldungen und Audits bilden die Grundlage für den jährlichen Compliance-Bericht an den Verwaltungsrat.

Durch Compliance-Audits Schwachstellen identifiziert
Im Berichtsjahr hat SFS bei ihren Gesellschaften in den USA und in Italien erstmals interne Compliance-Audits durchgeführt. Die Inhalte der Audits thematisierten vor allem den Verhaltenskodex sowie die internen und externen Meldewege, die den Mitarbeitenden im Falle von Compliance-Verletzungen bzw. Verstössen aller Art zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse der Untersuchung fielen unterschiedlich aus und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Einer der vier auditierten Gesellschaften wurde ein sehr hohes Bewusstsein für die relevanten Themen im Bereich Compliance attestiert. Die Mitarbeitenden verfügen hier über umfangreiche Kenntnisse zum SFS Verhaltenskodex und kennen auch die verfügbaren Meldekanäle im Falle von Compliance-Verstössen.
  • Eine andere Gesellschaft schnitt hinsichtlich ihrer Kenntnisse zum Verhaltenskodex zufriedenstellend ab. Allerdings wurden bei der Zuordnung von Verantwortlichkeiten sowie bei den zur Verfügung stehenden Meldekanälen Unklarheiten festgestellt. Das identifizierte Problem wurde inzwischen durch neu definierte Verantwortlichkeiten sowie durch verstärkte Kommunikationsmassnahmen gegenüber den Mitarbeitenden gelöst.
  • Bei einer weiteren auditierten Einheit wurde der Kenntnisstand des Managements bezüglich Compliance für gut befunden. Bei den übrigen Mitarbeitenden wurden Massnahmen zur Erhöhung Kenntnisstand zum Verhaltenskodex implementiert. Dies mit dem Ziel, das Bewusstsein der Mitarbeitenden für die Wichtigkeit des Verhaltenskodex zu schärfen.
  • Die vierte auditierte Gesellschaft, welche noch nicht lange zur SFS Group gehört, wies verständlicherweise einen vergleichsweise geringen Kenntnisstand zum Verhaltenskodex auf. Die Schwachstellen konnten mithilfe des Audits identifiziert und geeignete Gegenmassnahmen implementiert werden. Dazu gehörten u. a. Kommunikationskampagnen und regelmässige Schulungen zum Inhalt des Verhaltenskodex sowie zu Meldewegen im Falle von Verstössen oder Verdachtsfällen im Bereich Compliance und Menschenrechte.

Die Einführung der internen Compliance-Audits wurde insgesamt als effizientes Tool zur Identifizierung von Chancen und Risiken in diesem Bereich wahrgenommen. Im Rahmen der Financial-Audits werden deshalb auch im 2023 wieder Compliance Audits bei SFS Gesellschaften in zwei weiteren Ländern durchgeführt.

Potenzielle Geschäftsrisiken beurteilt
Neben der Bewertung von Chancen und Risiken in den Bereichen Compliance und Menschenrechte evaluieren die Konzernleitung und der Verwaltungsrat regelmässig und umfassend die wichtigsten Geschäftsrisiken von SFS. Mindestens einmal im Jahr wird dazu eine ganzheitliche Risikobeurteilung durchgeführt, in welcher die relevanten Risiken systematisch nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial klassifiziert werden. Auch im Berichtsjahr wurden erneut potenzielle Risiken und die Möglichkeiten zu deren Eingrenzung diskutiert. Der Fokus lag dabei auf folgenden Themen:

  • Gewährleistung der Energieversorgung und Umgang mit den erhöhten Energie- und Rohstoffpreisen
  • Datenverlust und eingeschränkte Betriebstätigkeit aufgrund von Cyberattacken
  • Gewährleistungsrisiken aufgrund von Rückrufaktionen
  • Geopolitische Instabilitäten
  • Risiken im Bereich Compliance
  • Währungsschwankungen

Kritische Themen durch Einbezug der Anspruchsgruppen berücksichtigt
Um bei der Beurteilung von kritischen Themen sowie möglichen Chancen und Risiken für das Unternehmen nicht nur die interne Sicht zu berücksichtigen, beziehen wir unsere externen Anspruchsgruppen regelmässig mit ein. Wir bieten unseren Stakeholdern unterschiedliche Plattformen, um kritische Anliegen zu äussern und mit uns zu diskutieren. Dazu gehören u. a. Kunden- und Lieferantengespräche, Investoren- und Analystencalls sowie diverse interne und externe Veranstaltungen (z. B. Nachhaltigkeitstag, Generalversammlung). Auch über die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, den Austausch mit Medien oder Umfragen bei den Mitarbeitenden erhalten wir wertvolles Feedback zu kritischen Themen. Die folgende Übersicht zeigt die Themen, die im 2022 in diesem Zusammenhang hervorgebracht wurden, und wie wir damit umgegangen sind:

Kunden/Analysten/Investoren: Anfragen zur Positionierung und zu Massnahmen im Bereich ESG
Im Berichtsjahr erhielt SFS zahlreiche Anfragen von Kunden zur Selbstauskunft im Rahmen von Lieferantenbeurteilungen im Bereich ESG. Zudem wurde sowohl seitens Kunden als auch Analysten und Investoren das Interesse an Nachhaltigkeits-Ratings kommuniziert. Ein wichtiger Kunde in der Automobilindustrie hat SFS zudem aufgefordert, ihren CO2-Verbrauch über den Online-Fragebogen von CDP (Carbon Disclosure Project) offenzulegen.

Sämtliche Anfragen wurden beurteilt und individuell beantwortet. Eine zukünftige Ausdehnung der Berichterstattung durch die Aufnahme zusätzlicher Ratings ist wahrscheinlich. SFS hat den CDP-Fragebogen ausgefüllt und mit dem betreffenden Kunden geteilt. SFS hat allerdings durch die späte Teilnahme noch keinen Score erhalten. Im Jahr 2023 wird SFS erneut am CDP-Rating teilnehmen und der Score wird öffentlich einsehbar sein.

Mitarbeitende: 120 Ideen zur nachhaltigen Entwicklung im Rahmen des Nachhaltigkeitstages eingereicht
2022 wurde am Standort Heerbrugg (Schweiz) erstmals ein Nachhaltigkeitstag durchgeführt. Rund 800 Mitarbeitende informierten sich an verschiedenen Ständen zum Thema Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie zu den aktuellen Nachhaltigkeitsinitiativen von SFS. Am Wettbewerb «nachhaltige Verbesserungen» wurden 120 Ideen von den Mitarbeitenden eingereicht. Alle eingereichten Ideen wurden anschliessend von einer sechsköpfigen Jury aus verschiedenen Unternehmensbereichen bewertet und kommentiert. Alle Ideengeber erhielten eine Rückmeldung, ob und wie der Verbesserungsvorschlag umgesetzt wird. Rund 90% der Ideen zielten dabei darauf ab, die Umwelt besser zu schützen und weniger Emissionen zu produzieren. Diese Verbesserungsvorschläge lassen sich in vier Unterkategorien zusammenfassen:

  • Ideen zum Schutz der Biodiversität
  • Ideen aus dem Bereich Digitalisierung und Materialeinsparung
  • Ideen rund um eine nachhaltige Ernährung
  • Ideen zum Einsatz von erneuerbaren Energien bzw. Energieeinsparung

Die restlichen 10% der Ideen können dem sozialen Bereich zugeordnet werden. Hier wurden vorrangig Verbesserungen hinsichtlich Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Optionen für soziales Engagement angesprochen.

Während die Mehrheit der Ideen aus dem Umweltbereich im Jahr 2022 bearbeitet wurde, ist für 2023 vor allem die Umsetzung von Verbesserungsprojekten aus dem sozialen Bereich geplant.

Bevölkerung/Medien: Fragen zur geplanten Windenergieanlage
SFS hat im Berichtsjahr zwei Medienmitteilungen zur geplanten Windenergieanlage publiziert und eine öffentliche Informationsveranstaltung zu diesem Projekt durchgeführt. Im Rahmen dieser Veranstaltung sowie auch in Form von Medienanfragen wurden zahlreiche Fragen zur Höhe der geplanten Anlage, zu allfälligen Lärmemissionen für die Anwohnenden sowie zum Landschafts- und Tierschutz gestellt.

Die Anlage hat eine Nabenhöhe von ca. 135 Metern und ist dadurch deutlich effizienter und naturverträglicher als mehrere kleine Anlagen. Der produzierte Strom wird direkt der bestehenden Infrastruktur zugeführt. Die gesetzlichen Lärmschutzanforderungen können mit der geplanten Anlage problemlos eingehalten und der Strom direkt dort produziert werden, wo er auch genutzt wird. Zusätzliche Eingriffe in die Natur sind nicht nötig. Für Flugtiere besteht nur ein sehr geringes Konfliktpotenzial. Das Schattenwurfmodul der Windkraftanlage sorgt dafür, dass sich diese automatisch abschaltet, falls das Siedlungsgebiet betroffen wäre. Weitere Antworten zu häufigen Fragen sind in den FAQ auf der Website Rhintlwind nachzulesen. Via Kontaktformular können weitere Fragen eingereicht werden.

Investoren/Medien: Geschäftsaktivitäten mit Russland und/oder Weissrussland
Aufgrund des Kriegs von Russland gegen die Ukraine verhängten zahlreiche Länder Sanktionen gegen Russland und Weissrussland. Inwiefern ist SFS davon betroffen?

Bis zur Einführung der Sanktionen erzielte SFS Umsätze mit Kunden aus Russland und Weissrussland, welche im Verhältnis zum Gesamtumsatz jedoch gering waren. Mit Einführung der Sanktionen hat SFS diese Geschäftstätigkeiten, entsprechend der erlassenen Regularien, eingestellt.

Investoren/Analysten: Lieferketten Reshoring/Nearshoring
Aufgrund der COVID-Pandemie, welche starke Auswirkungen auf die globalen Lieferketten hatte, fokussieren Unternehmen wieder vermehrt auf regionale Lieferketten. Ist dies bei SFS auch der Fall?

SFS konnte insgesamt in den vergangenen Jahren eine hohe Lieferfähigkeit aufrechterhalten und dank guter Positionierung und Materialverfügbarkeit die Kunden meist zuverlässig beliefern. Die «Local-for-Local»-Strategie, Kunden lokal auf Basis lokaler Fertigungsstandorte zu beliefern, resultierte in guter Lieferverfügbarkeit und war und ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Externe Ratings zeigen Handlungsfelder zur Verbesserung auf
Auch wenn die Bewertung durch externe Ratingagenturen und standardisierte Assessments häufig ein eher einseitiges Bild der nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens zeichnet, setzt sich SFS aktiv mit diesen auseinander und bemüht sich, die identifizierten Handlungsfelder in ihre Nachhaltigkeitsstrategie zu integrieren. Dabei wurde SFS im 2022 wie folgt bewertet:

  • EcoVadis: Bronze-Rating, 54/100 (gültig bis April 2023)
  • Inrate, zRating: 67/100
  • MSCI: AA
  • SAQ 5.0: B86 (Bewertung für Hauptsitz in Heerbrugg,Schweiz)

  • UN Global Compact: Bewertung ausstehend
  • CDP: Bewertung ausstehend, SFS lässt den CDP-Fragebogen im 2023 erstmals offiziell bewerten

Soziales Engagement ausgebaut
SFS versteht sich als «good corporate citizen». Darunter verstehen wir ein Engagement für Umwelt und Gesellschaft, das über die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Aus Überzeugung von den Stärken des dualen Bildungswegs setzt sich SFS bereits seit 1997 mit der namhaften Unterstützung der Hans Huber Stiftung für die duale Ausbildung in der Schweiz und darüber hinaus ein ( siehe auch Social: Förderung der dualen Ausbildung). Durch den Zusammenschluss mit Hoffmann im 2022 hat SFS ihr soziales Engagement weiter ausgebaut und nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung neu auch durch die Hoffmann GroupFoundation wahr. Diese setzt sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein, wie wie die folgende Success Story zeigt.